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Über uns

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Viele Konflikte und Gewaltdynamiken machen ebenso wenig an Grenzen halt, wie sich die Ursachen und transnationalen Interdependenzen gewaltsamer Konflikte oder die friedenspolitischen Folgen von Radikalisierung, Protest und Gewalt allein innerhalb engmaschiger disziplinärer Grenzen hinreichend untersuchen und plausibilisieren lassen. Mit anderen Worten: transnationale Konfliktkonstellationen, transregionale Verflechtungsprozesse und globalisierte Wissensordnungen erfordern inter- bzw. transdisziplinäre Antworten im Sinne kreativer, komplementärer Forschungsstrategien.

In Zeiten komplexer werdender transnationaler Herausforderungen – von der Digitalisierung über die Covid-19-Pandemie bis hin zu anhaltenden Dynamiken der Migration oder gar grenzüberschreitenden Gewaltnetzwerken – soll das neue Berliner Zentrum daher interdisziplinäre Beiträge dazu leisten, jene Problemzusammenhänge, die mit konfliktspezifischen und gewaltförmigen Prozessen regionaler und globaler Verflechtung einhergehen, systematisch zu identifizieren, abzugrenzen und einzuordnen. Die zentralen analytischen Herausforderungen bestehen in der prozessorientierten Durch­dringung und interdisziplinärenRekonstruktion transnationaler Konfliktkonstellationen. Diese bedingen Gewalt nicht nur, sondern werden durch interdependente Gewaltdynamiken re-produziert und tragen wiederum dazu bei, dass bestehende sozialräumliche Ordnungen re-konfiguriert werden.

Aufbauend auf diesen Herausforderungen und Forschungsbedarfen konzentriert sich die Friedens- und Konfliktforschung in Berlin zunächst auf zwei zentrale Fragen-komplexe: A) Welche Charakteristika haben transnationale Konfliktkonstellationen und wie sind diese trans-/regional bzw. global miteinander verwoben? sowie B) welche Formen nicht-/staatlicher Gewalt treten in transnationalen Konfliktkonstellationen auf und wie stehen diese Dynamiken (Gewalteskalation, Radikalisierungsprozesse, organisierte Kriminalität) mit der Re-Figurationen sozialräumlicher Ordnungen in Beziehung (u.a. Grenzräume, Transitzonen, urbane Räume)? Erkenntnisanleitend sind nicht allein die Charakteristika und Verschiebungen von Konfliktkonstellationen, sondern auch die Fragen danach, wie diese räumlich (regional bzw. global) und zeitlich (historisch) miteinander verwoben sind und wie sie sich vor dem Hintergrund globaler Machtverschiebungen transformieren.

Im Sinne „problemorientierter Grundlagenforschung“ besteht der doppelte forschungsprogrammatische Anspruch entsprechend darin, die Ausweitung und Verschiebungen von Problemzusammenhängen aus interdisziplinärer Perspektive empirisch und theoretisch zu erfassen und zugleich normatives und forschungsethisches Orientierungswissen anzubieten. Zugleich werden Impulse für die Begriffs- und Konzeptentwicklung sowie für die Integration multipler Forschungsperspektiven und Methoden erwartet.

Verbunden ist damit das Selbstverständnis einer analytisch und normativ ausgerichteten Friedens- und Konfliktforschung, die sich als interdisziplinäres Forschungsfeld konstituiert, dessen Schwerpunkte auf den Ursachen, Formen, Dynamiken und Folgen gewaltförmiger Konflikte sowie auf den Bedingungen ihrer konstruktiven Transformation liegen. 

Link zum forschungsprogrammatischen Dachpapier